Christopher Columbus disovery of America

 

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  Der Amerikaner, der den Columbus zuerst
entdeckte, machte eine böse Entdeckung.

 
(Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher G 183)

 

Taino - die Bewohner der Karibik
Eine schicksalhafte Begegnung

Columbus wird von den Eingeborenen begrüßt.
Holzstich von Thedor de Bry
Als Christoph Columbus im Oktober 1492 erstmals seinen Fuß auf amerikanischen Boden setzte, warteten die Bewohner der Insel, die er San Salvador nannte, am Strand auf die Ankömmlinge. "Sie gehen nackend umher, so wie Gott sie erschaffen, Männer wie Frauen, von denen eine noch sehr jung war. Alle jene, die ich erblickte, waren jung an Jahren, denn ich sah niemand, der mehr als 30 Jahre alt war. Dabei sind sie alle sehr gut gewachsen, haben einen schön geformten gewinnende Gesichtszüge. Sie haben dichtes, struppiges Haar, das fast Pferdeschweifen gleicht, das über der Stirne kurz geschnitten ist bis auf einige Haarsträhnen, die sie nach hinten werfen und in voller Länge tragen, ohne sie jemals zu kürzen", stellte er fest (Bordbuch, 12. Oktober 1492).
 
 
Die Bewohner der Insel Guanahaní waren Taino. Der Name bedeutet "gute/edle Leute". Die Vorfahren der Taino wanderten ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. aus Venezuela in die Karbik ein. Sie verdrängten nach und nach die dort ansässige prä-keramischen Kulturen und breiteten sich über die gesamte Karibik bis auf Westen Cubas aus. Dort lebten die Guanahatabey, deren Vorfahren aus Mittelamerika eingewandert waren. Diesem Volk wird von manchen Wissenschaftlern eine Pufferfunktion zugeschrieben: Sie verhinderten, dass die Taino in Kontakt mit den höher entwickelten Kulturen von Mittelamerika (Maya, Azteken usw.) kamen. Die Entwicklung der eigenständigen karibischen Taino-Kultur wird anhand der Keramik auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert.
 
Bei der Ankunft der Spanier standen die im allgemeinen als friedfertig einzustufenden Taino unter dem Druck eines anderen, aggresiveren Volkes. Columbus erfuhr von den Taino, "dass ihr Land von den Bewohnern der umliegenden Inseln heimgesucht werde, die sie einfangen wollten und gegen die sie sich zur Wehr setzten" (Bordbuch, 12. Oktober 1492). Die so genannten Kariben galten als Menschenfresser: "Die Einwohner Kubas oder Juanas und aller anderen Inseln fürchteten sich sehr vor den Eingeborenen Bohíos, da sie Menschenfresser seien." (Bordbuch, 5. Dezember 1492) Trotz zahlreicher spanischer Quellen, die sich auf menschenfressende Völker in der Karibik und in Südamerika beziehen, ist in der Forschung immer noch umstritten, ob es dort tatsächlich Kannibalismus gab. Menschenfressende Völker als Bewohner ferner Länder gehörten nämlich zu den Stereotypen der spätmittelalterlichen Reiseliteratur und waren etwas, was Europäer in Asien erwarteten.
 
Typische Taino-Hütte
Die Taino waren ein sesshaftes, Ackerbau treibendes Volk mit einem ausgeprägten Sozialsystem. Sie lebten in Bobio genannten Palmhütten und bauten Mais, Bohnen, Yams-Wurzel, Tabak und andere Nutzpflanzen an. Auf den kleinen Inseln war Fischfang eine wichtige Nahrungsquelle. Haustiere kannten die Taino bis auf den Hund nicht. Sie beherrschten die Töpferei (ohne Scheibe) und verarbeiteten bereits Gold zu Schmuck, wie Columbus schnell feststelle: "Dabei bemerkte ich, dass einige von diesen Männern die Nase durchlöchert und durch die Öffnung ein Stück Gold geschoben hatten", schrieb er am zweiten Tag seines Aufenthalts (Bordbuch, 13. Oktober 1492).
 
Zwischen den einzelnen Taino-Gruppen in der Karibik bestanden aber große Unterschiede. Die Einwohner der Bahamas, denen Columbus als erstes begegnete, waren "primitiver" als ihre Verwandten auf den großen Inseln. Columbus fiel dieser Unterschied bei der Ankunft auf Cuba auf: "Meiner Meinung nach waren diese Wohnplätze bedeutend schöner als alle jene, die wir bisher gesehen hatten, und müssen meiner Schätzung nach ein immer besseres Aussehen haben, je mehr wir uns dem Festland nähern. Diese Behausungen waren in Hüttenform gebaut, sehr geräumig und erweckten den Eindruck eines militärischen Feldlagers. Allein sie waren nicht reihenweise angeordnet, so daß sie keine Straßen bildeten, sondern wuchsen bald hier, bald dort aus dem Boden. Im Innern sind sie fein säuberlich ausgekehrt; ihre Einrichtungsgegenstände sind reich verziert. Man fand viele Plastiken, weibliche Gestalten darstellend, und zahlreiche Gesichtsmasken, die wundervoll ausgearbeitet waren. Ich weiß nicht recht, ob die Inselbewohner diese Gegenstände als Zierat oder zu religiösen Kulthandlungen verwendeten." (Bordbuch, 29. Oktober 1492) In der Forschung wird zwischen den "klassichen" Taino auf Hispaniola und den "primitiveren" West- und Ost-Taino unterschieden. Auf Hispaniola lebten die Taino in Dörfern mit bis zu 3000 Einwohnern, und es hatte sich eine Frühform des Königtums entwickelt. Dort teilten sich bei der Ankunft der Spanier fünf Häuptlinge, caciques, die terretoriale Herrschaft. Einer von ihnen, Guacanagarí, wurde zum Verbündeten Columbus' und erlaubte ihm, in der Nähe seines Dorfes, die Festung "La Navidad" zu errichten.
 
Kubanische Briefmarke mit Zemi und Taino-Einbaum
Im Gegensatz zu Columbus' anfänglichen Vermutung, dass sie "allem Anschein nach keiner Sekte angehören" (Bordbuch, 12. Oktober 1492), also aus seiner Sicht unreligiös und deshalb leicht für den christlichen Glauben zu gewinnen seien, hatten die Taino ein komplexes Glaubenssytem. Sie glaubten an gute und hilfreiche Geister, die sie Zemis nannten, und in Form von Tonfiguren verehrten. Ein Ausdruck ihrer Religiösität sind auch die vielen figürlichen Steinritzungen (Petroglyphen), die überall in der Karibik zu finden sind.
 
Taino zeichnen Petroglyphen an eine Höhlenwand
Die Taino kannten keine Metallverarbeitung. Columbus erkannte das bereits am ersten Tag seines Amerika-Aufenthalts: "Sie besitzen keine Art Eisen. Ihre Spieße sind eine Art Stäbe ohne Eisen, die an der Spitze mit einem Fischzahn oder einem anderen harten Gegenstand versehen sind." (Bordbuch, 12. Oktober 1492) Das hieß für die Spanier auch, dass die Taino kein ernst zu nehmender Gegner sind. Columbus war sich sicher, "mit einigen fünfzig Mann alle anderen niederhalten und zu allem zwingen" zu können (Bordbuch, 14. Oktober 1492).
 
Als Insel-Volk verstanden sich die Taino auf dem Bootsbau. Das canoe (Kanu) war das einzige Transportmittel für Menschen und Ware. Den Spaniern nötigten die gewaltigen Einbäume Respekt ab: "Sie erreichten mein Schiff auf Booten, die für die Verhältnisse des Landes äußerst kunstgerecht aus einem einzigen Baumstamm verfertigt und von denen einige so groß waren, dass darin 40 und auch 45 Leute Platz fanden, während andere so klein waren, daß sie nur einen einzigen Mann aufnahmen. Sie trieben die Boote mit Rudern an, die Ofenschaufeln glichen, und kamen so schnell damit vorwärts, dass es erstaunlich war." (Bordbuch, 13. Oktober 1492)
 
Die Spanier waren von den großen Einbäumen der Taino beeindruckt.
Für die Taino war die Begegnung mit Spaniern und deren Gier nach Gold tödlich: Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden die Eingeborenen der Karibik fast völlig ausgerottet, durch blanke Gewalt und skrupelose Ausbeutung ebenso wie durch aus Europa eingeschleppte Krankheiten, die unter den Taino verherrende Auswirkungen zeigten. Dieser Völkermord nahm solche Ausmaße an, dass er selbst in den Reihen der Spanier heftig verurteilt wurde. In seinem 1552 erschienenen, aber schon viel früher verfassten "Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder" schreibt der Dominikaner-Pater Bartolomé de Las Casas, ein Freund der Familie Columbus: "Wir können hier als eine gewisse und wahrhafte Tatsache anführen, dass in obgedachten vierzig Jahren durch das erwähnte tyrannische und teuflische Verfahren der Christen, mehr als zwölf Millionen Männer, Weiber und Kinder auf die ruchloseste und grausamste Art zur Schlachtbank geführt wurden, und wir würden in der Tat nicht irren, wenn wir die Anzahl derselben auf fünfzehn Millionen angäben."
 
Heute leben nur noch wenig Taino auf den Karibik-Inseln. Deren überwiegende Bevölkerung besteht aus Nachkommen von Afrikanern, die als Sklaven nach Amerika gebracht wurden, weil es nicht mehr genügend Einheimische gab.
 
Zitate aus:
Christoph Kolumbus: Bordbuch. Aufzeichnungen seiner ersten Entdeckungsfahrt 1492-1493. Zürich 1941. (Online-Version)
Bartolomé de las Casas: Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder. Frankfurt/Main 1981.
 
Quellen:
Irving Rouse: The Tainos. Rise and Decline of the People Who Greeted Columbus. Yale College 1992.
 
Informationen über die Taino im Internet (Auswahl):
http://www.hartford-hwp.com/archives/43a/100.html
http://www.newadvent.org/cathen/01680c.htm

 

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