Christopher Columbus disovery of America

 

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Amerika heißt nicht Columbia
Wie die "neue Welt" zu ihrem Namen kam

Jeder weiß, dass Amerika nicht den Namen seines Entdeckers Christoph Columbus trägt. Sonst hieße der Doppelkontinent ja wahrscheinlich Columbia oder so ähnlich. Diesen Namen trägt heute zu Ehren des Entdeckers das südamerikanische Land Kolumbien.
 
Benannt wurde die neu entdeckte Welt nach dem italienischen Kaufmann und Seefahrer Amerigo Vespucci, einem Landsmann und gutem Bekannten von Columbus. Vespucci "hatte immer den Wunsch, mir Freude zu machen. Er ist ein sehr anständiger Mann", schrieb Columbus 1505 an seinen Sohn Diego. Beide waren im selben Jahr, 1451, geboren worden, Columbus in Genua, Vespucci in Florenz. Der Florentiner kam 1491 als Vertreter des Handelshauses Medici nach Sevilla und nahm 1499 und 1501 an zwei Entdeckungsfahrten teil. Über die zweite Reise, die Vespucci die Ostküste Südamerikas entlang führte, schrieb er einen langen Brief an seinen Auftraggeber Lorenzo di Medici, der alsbald veröffentlicht wurde. Darin schrieb Vespucci mit aller Deutlichkeit, dass diese Küste nicht zu Asien gehöre, sondern Teil einer "Neuen Welt" sein müsse.
 
Auf deutsch erschien Vespuccis Reisbericht 1504 im lothringischen Saint-Dié. Dort brachte der junge Geograph und Mathematiker Martin Waldseemüller zusammen mit Matthias Ringmann 1507 eine "Cosmographiae introducio" heraus, eine Einführung in die Geographie, die den Namen "Amerika" in die geografische Literatur einführte. Dort heißt es (fol. 207 v):
 

Ausschnitt aus Waldseemüllers "Cosmographiae introducio" mit der Begründung für die Namenswahl.

Nun sind aber die Erdteile umfassender erforscht und ein anderer vierter Erdteil ist durch Americus Versputius (wie im folgenden zu hören) entdeckt worden. Ich wüsste nicht, warum jemand mit Recht etwas dagegen einwenden könnte, diesen Erdteil nach seinem Entdecker Americus, einem Mann von Einfallsreichtum und klugem Verstand, Amerige, nämlich Land des Americus, oder America zu nennen, denn auch Europa und Asien haben ihren Namen nach Frauen genommen.

 

Columbus wird in diesem Werk überhaupt nicht genannt, obwohl der Bericht über seine erste Reise bereits 1493 unter dem Titel "De Insulis inventis" in Basel auf Latein und 1497 in Straßburg auf Deutsch erschien. Auch auf der zur "Introductio" gehörenden wandtafelgroßen, aus zwölf Einzelblättern bestehenden Weltkarte ist Columbus nicht erwähnt.
 
Auf dieser Karte von Waldseemüller mit dem Titel "Universalis Cosmographia Secundum Ptholemaei Traditionem Et Americi Verspucii Alioruque Lustrationes" sowie einem Globus wurde erstmals der Namen "America" für den südlichen Teil der neuen Welt auf eine Karte gedruckt. Die Karte gilt deshalb auch als "Geburtsurkunde" Amerikas. Das einzige erhaltene Exemplar wurde vor einigen Jahren aus deutschem Privatbesitz für zehn Millionen Dollar in die USA verkauft und ist seitdem in der Kongressbibliothek in Washington zu bewundern.
 
Eine interaktive Version der Waldseemüller-Karte stellt das Smithsonian Institute hier zur Verfügung.
 
Offenbar traf die Namenswahl den Nerv der Zeit. Immer häufiger taucht "America" als Bezeichnung neben "Novus mundus", "Terra Nova" oder "Terra Incognita" auf Karten auf. Auf dem "Globe vert" (Grüner Globus) von 1515 wurde der Name erstmals auch für den Nordkontinent benutzt.
 
Einige Jahre später erkannte Waldseemüller seinen Irrtum bezüglich Vespucci. Auf der 1513 gedruckten Karte mit dem Titel "Terre Nove" (Neue Welten) vermerkte er ausdrücklich, dass Columbus der Entdecker sei. Aber da war es bereits zu spät, und der Namen setzte sich durch.
 
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An der eigentlichen Urheberschaft Waldseemüllers für den Namen "Amerika" sind allerdings auch Zweifel angemeldet worden. Einige Theorien:
  1. Der Name "Amerika" leitet sich aus dem Toltekischen ab: zu merik = Berg und ike = groß. Amerika wäre demnach der große Berg. Diese Theorie hat der deutsche Sprachwissenschaftler Karl Lokotsch, Herausgeber eines "Etymologischen Wörterbuchs der amerikanischen (indianischen) Wörter im Deutschen", Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt.
  2. Amaraca war der Name eines Ortes in Venezuela, der zum Handelsgebiet der Augsburger Kaufmannsfamilie Welser gehörte. Diese Theorie des Amerikaners Thomas H. de Lambert de St. Bris aus dem Jahr 1888 hat den Nachteil, dass die Welser erst 1516 nach Amerika kamen.
  3. Americ ist der vorkolumbianische Name einer goldführenden Bergkette in Nicaragua. Die dort lebenden Indianer nannten sich noch Ende des 19. Jahrhunderts Ameriques oder Ammerisques. Der Name, so der französische Amerikanist Jules Marcou im Jahr 1875, wurde von Columbus oder Vespucci nach Europa gebracht und bald zum Synonym für den neuen Kontinent.
  4. In der englischen Hafenstadt Bristol gilt der Kaufmann Richard Amerike oder ap Meurig (Sohn des Meurig) als Namensgeber. Er hat die "Matthew" finanziert, das Schiff, mit dem John Cabot alias Giovanni Caboto 1497 nach Neufundland segelte Angeblich hatte Amerike bereits 1479 eine Expedition ausgerüstet, die dann die Insel entdeckte. Außerdem soll sein Wappen Vorbild für die amerikanische Flagge (stars and stripes) gewesen sein.

 

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