Christopher Columbus disovery of America

 

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Von den neüwen Inseln

 
Auszug aus:
Sebastian Münster: Cosmographia, 1544
Nach dem Original buchstaben- und zeilengetreu wiedergegeben und mit Abbildungen der Originalholzschnitte versehen.

 
  Von den neüwen Inseln / wann
und von wem die erfunden / wie sie heissen /
und was für leut darinnen seind.
 
Elche man Novum orbem/ die neüwen Inseln/
das ist/ die neüwe Welt/nennt/ ligen für India
hinauß/ darumb sie auch etliche nennen Indiani-
sche inseln/ si ligen auch hinder Hispanien/under
uns schier auff halben weg zwischen Hispaniam
und Indiam/darumb findest du in zweien Ta-
feln
das Land Cathay/ und das Archipelagus/
das ist/ das Ertz moere hat sieben tausent vier hund
dert acht und vierzig inseln/ und erlich mehr in-
seln/ darbey du erkennen magst/wie die neüwen
Inseln von Orient stossen an Indiam/ und besun
der die inseln Zipangri/ die auch der groß Cham understanden hat im underthä
nig zumachen/ da er vernommen die grosse reichthumb so darinn gefunden wirt.
Dann man findt vil golds darinn/ und sie hat ein eignen Küning der niemandes
zinßbar noch underworfen ist. Man findt auch grosse und rote perlin darinn/
wleche die weyssen weit ubertreffen/ und ander köstliche stein. Die einwoner baet-
ten die Abgötter an/ und so sie ire feind ergreiffen/ kochens sie und fressen sie. Die
groß zal der kleinen inseln fo umb die insel Zipangri ligen/ werden zum groessern
theil von dem mensche bewonet/ und ist auch
keine in der nicht etwas gewürtz wechst/ oder
ein baum vo dem nicht ein suesser geruch auß-
geht. Der andern neüwen inseln halb solt du
also mercken/ das anno Christi tausent vier
hundert neün und zwentzig Christophorus
ein burger von Genua auß Italia/vom ge-
schlecht Columba/ tretten ist zu dem Künig
von Hispania/ nach dem er lang an seinem
hoff gewesen was/ und begert ihm geschickte
schiff mit aller rüstung underhanden zuge-
ben/ dann er der hoffnung were unbekannte
Länder zufinden. Und wiewol der Künig
und seine Rhaet erstlichen das für ein gespoett
herten/ aber Christophorus Columbus von seinem fürnehmen nicht abstund/ ha
ben sie sich verwilliget/ und dem genannten Christophoro hilff gethan sein fürge
nommen fart zu vollstrecken. Demnach ist er im vorbestimpten jar/ im anfang
des herbstmonats außgefahren mit zweien schiffen/ und kommen zu den inseln
die man vor zeiten fortunatas hat genennt/ aber jetzunde Canarien werden ge-
heissen. Doch darvor ligt ein insel die heißt Medera/ die haben die Spanier/ be-
funder die Portugalleser/ gantz wild und mit etlichen waeldern uberzogen gefunden/
und gesehen das sie ein trefflichen gueten boden hat gehabt/ darumb haben
sie die waeld außbrennt/ das erdtrich zu der
frucht bereit/ wohungen darinn gemacht/
und sie dermassen zugericht/ das man weit
und breit fruchtbarer insel nicht finde dann
im selbigen Moere. Es fliessen waesser dar-
durch/ sie hat vil quellbrunnen/ man hat vil
Saegmülen gebauwen auff de waesser/ den
koestlichen baeumen/ die den Cederbaeumen
gleich sehen/ etlich den Cypressen zu lieb/ da
rauß man disch/ kleider troeg/ boffet/ unnd
dergleichen macht/ und solch baeum rotfarb
und wolriechend seind/ und mit haussen da-
rinnen gefunden werden/ und zersaeget heraus
gefuert. Es hat auch der Küning von Portu-
gal lassen Zuckerrhor pflantzen in dise insel/
und das wechst mit haussen/unn bringe jär-
lichen groß gut. Solcher zucker ist auch so ge
schmack/ das er ubertrifft den so in Sicilia
und Cypro wechst.
Man hat auch Reben auß Candia ge-
nommen/ und die gepflanzet in dise Insel/
die achsen also gewaltig/ das die Reben
mehr treübel dann laub bringen/ und man-
cher treübel vier spannen lang wirt. Item rep
hüner/ tauben/ wild pfauwen/ wild schwein
in bergen/unn andere thier werden mit hauf
fen in diser inseln gefunden/ die auch vorhin
allein ander menschen beywonung besessen habe. Nicht minder fruchtbar seind
die Fortunate/ das ist/ die glückhafftige inseln/ die jetzund Canarie heissen/ und
das darumb das so vil hund darin gefunden werden/ ihre werden gezelt zehen/
sieben seind erbauwen und drey ligen wuest. Die erbauwen seind und bewohnt wer
den/ heissen Fracta lancea/ Magna sors/ Grancanaria / Teneriffa/ Ginera/ Pal
ma/ Ferru. Da Columbus darein kam/ lieffen die leüt gantz nacket darein gleich
wie das viech on alle scham/ on Gottes dienst und forcht/ seind aber darnach und
mit der zeit zum Christen glauben kommen/ besunder vier inseln. Man schreibt von
disen inseln/ wiewol sie nicht fern von einandner ligen/ hat doch ein jetliche ein be-
sundere sprach/ und verstath einer des anderen sprach nicht. Teneriffa von Graca-
naria/ das ist die große Canaria/ seind die groesten under den zehen. Teneriffa mag
fünffzig Teütscher meilen fern gesehen werden wann es schoen wetter ist/ und dz
von des wegen/ das mitten in der inseln ein wunder grosser und herter felß auff
steigt in himmel. Man acht das er fünffzehen lücken/ das ist ungefaerlich zwoelff
Teütscher meilen obsich in die hoehe gange und stets feür außspeuwet wie dr berg
Etna in Sicilia. Die einwoner dieses lands es-
sen gerstenbrot/ fleisch und milchspeiß/ besunder
haben sie vil geissen/ vil waldesel und vil feygen-
baeum. Es wechst kein wein bey ihnen noch wey-
tzen. Von disen inseln ist gemelter Christopho-
rus Columbus fürbaß gegen dem Occident drey
und zwentzig tag und nach gefaren/ unn hat kein
land gefunden/ bis zu letst der wechter in der hoe-
he des schiffs sahe ettlich inseln/ den schifften sie
zu/ besunder zwo wolten sie besichtigen/ und ga-
ben ihnen auch nammen/ eine nenneten sie Johan
nam/ die andere Hispaniam. Sie schifften umb die
Insel Johannam/ und hoerten ein groß vogel ge-
sang/besunder hoerten sie umb S. Martinstag die
nachtgallen mit voller stimm singen/ sie sahen das groß lauter und sueß wasser auß
iren flüssen ihn das moere fallen/ schifften also einhundert Teütscher meilen oder
zwey/ und gesahen doch niemand da kerten sie umb und wandten sich gegen dr an-
deren inseln/ da sahen sie wie die leüt in der selbigen inseln/ fluhen von inen in die
weld/ und als sie auß den schiffen naher eileten/ ergriffen sie ein weyb/ und fuerten
es in das schiff/ gaben ihr wein zutrincken/ und was sie guetes hatten gaben sie ihr
auch/ darnach legten sie ir an hübsche kleider und schickten sie wider zu den iren.
Da die selbigen sahen diß weib also bekleide/ dann sie giengen all nacker/ und dz
weib ihnen sagt was guts sie gessen und getruncken het/ lieffen sie mit scharen zum
moere/ und gaben den Spaniern gold umb haefen und gleser/ ja sie hetten nichts so
kindig im schiff es ward inen gold dargegen. Unn als sie zu beiden seiten dorfften einan
der vertrauwen/ und mit einander vertauscheten/ haben die unsern wie sie mochten
erforschen ir leben/ wesen und sitten/ und vermercktten das sie ein Künig hetten/
zu dem giengen sie hinauß/ und wurden auch freündtlichen von im empfangen unn
ehrlich tractiert. Die einwoner diser inseln machten brot auß wurtzlen/ die schmecken
gleich als frische und neüwe kesten/ das gold ist bey inen in etwz achtung/ sie fa-
ren nit auß irem land kauffmanschap zu treiben/ sie lesen das gold auff im sand ei
nes grossen wassers das von etlichen hohen bergen herab falt/schmeltzen es dar-
nach und machen guldine blech darauß. Der thier halb findt man bey in kügelin/
item groß mechtig aber unschedlich schlangen
groß tauben wie unsere enten/ genß schnee weiß
als die schwanen/ die haben rote koepff/ vil psit
tich von manicherleien farben/ darbey die Spa
nier wol mochtend mercken/ das sie nit fern von
India waren. Si funden auch in disen inseln
mastix/ aloe/ rot pfeffer koerner/ zimmet und
imber. Dieweil nun Columbanus in diser in-
seln was/ mit seinen geferten/ klagten ihm die
ynwoner grosse not über etliche voelcker/ die sie
Cannibalen nennen/ wie die auß irem land schif-
feten in andere inseln/ unnd fiengen die leüt/
schlugen sie zu todt/ fraessen sie unnd giengen
nit anderst mit inen umb/ dann wie ein Tiger oder Loew mit einem zamen thier.
Denn knaben hauwen sie auß und mesteten sie/ biß sie feißt wurden/theten inen
gleich wie man den capaunen thut/ aber die betagten metzigten sie eins wegs/
wurffen das gederm hinweg/ aessen die andern ihnneren glider/ deßgleichen die
eüssere/ als hendt unnd fuß/ aber das ubrig saltzen sie undd behielten es. Die
weiber frassen sie nit/ sunder hielten sie zu der frucht gleich wie mann die hennen
halt zu den eyern/ aber die alten weiber hielten sie zum dienst. Darumb so die
Canibalen zu diser inseln kommen/ flücht jedermann/ unnd wartet niemandt
ihren/ dann sie seinde starck unnd grimmig/ unnd moegen zehen auß ihnen/ hun-
dert andere meistern.
Nach dem Columbanus sich den gantzen winter biß zum frueling in diser
inseln gehalten hat/ nam er ihm für heim zu schiffen/ und den Künig mit froeuden
gute botschafft von dem neüw erfunden land zu bringen. Also ließ er in der inseln
bey dem Künig 38. von seinen mitgeferten/ die mit fleiß alle stet und oerter in sei-
nem abwesen solten erforschen und erkunden/ was für gewechß an baeumen und
fruchten darin were. Er nam auch mit im zehen mann auß der inseln/ damit man
von inen ir sprach lernen moecht. Da nun Columbanus wider herauß kam/ ward
er mit den hoechsten ehren empfangen/ von dem Künig und allem volck in Hispa
nia/ und bald geratschlaget/ wie man den Christen glauben undr das unglaeubig
volck bringen moechte. Der Künig gab auch den offt gemelten Columbano ein an
dern nammen/ das er seiner wunderbaren thaten halb fürthin heissen solt Admiras/
das ist ein verwunder/ und ließ zurichten 17. grosse schiff/ und zwölff jagdschiff/
und verordnet darinn 1200. gewaffneter maenner/ etlich zimmermaenner/ unn an-
dere handwerksleüt/ auch ettliche reüter/ und alles was zu einem wol geordnt
ten hoere gehoert. Er beschied auch/ das sie mit inen nemen ochsen/ kuw/ seüw/ wei
tzen/ gersten/ erbissen/ und andere dergleichen ding/ nit allein darvon zu essen/
sunder auch solch samen im frembden land zu saeyen. Deßgleichen namen sie mit
allerley eysen werckzeüg/ die geschickt waren/ damit stett unn schloesser zu bauwen/
darinn sich die Spanier halten moechten/ und dahin ihr flucht setzen. Unnd als
alle ding bereit und zuegericht waren/ seind sie am ersten tag des Herbstmons dar
von gefaren/ und sein am ersten tag des Weinmons kommen zu den Canarien
inseln/ und von dannen weiter gefaren zu der lincken hand gegen mittag/ unn seind
entlichen kommen zu der Cannibalen inseln/ und dieweil es am selbigen tag Son-
tag was/ haben sie die insel Dominica geheissen.
  
 
Karte der neuen Welt
von Sebastian Münster
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