Christopher Columbus disovery of America

 

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Das Columbus-Denkmal in Bremerhaven

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Wie Deutschland den Entdecker Amerikas ehrt


Die Statue vor dem Columbus-Center

Der Ort passt gut für eine Columbus-Statue: Bremerhaven an der Weser ist der deutsche Seehafen mit den intensivsten Verbindungen nach Amerika. Nach 1832 wurde er der Haupthafen für die Auswanderer aus ganz Europa. Bremerhaven war, neben Hamburg, auch der Haupthafen für den transatlantischen Passagier-Verkehr in den Zeiten der Linien-Dampfschiffe. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Bremerhaven zum zentralen Hafen der amerikanischen Besatzungstruppen. Schiffe wie die "United States" oder die "America" legten regelmäßig dort an. Elvis Presley betrat in Bremerhaven zum ersten Mal deutschen Boden.

Aber als vor etwa 100 Jahren der Partikulier Bernhard von Glahn seiner Heimatstadt eine Columbus-Statue schenkte, konnte er davon nichts wissen. Es war in erster Linie eine Geste der Dankbarkeit an die Vereinigten Staaten, vielleicht angeregt durch die 400-Jahr-Feiern der Amerika-Entdeckung. Von Glahn war in Amerika reich geworden. Nachdem er sich zur Ruhe gesetzt hatte, kehrte er nach Deutschland zurück. In seiner Heimat starb er 1899 im Alter von 73 Jahren.

Das imposante Denkmal ist 1897 von dem 25-jährigen Ludwig Habich, Student an der Akademie der Künste in München, entworfen worden. Die Arbeit war angeregt durch den frühen Jugendstil. Die überlebensgroße Statue zeigt einen kräftigen und energischen Mann. Das Gesicht hat mit keinem der bekannten Columbus-Porträts Ähnlichkeit. Es ist offensichtlich idealisiert.

Columbus steht breitbeinig über einem Anker, mit wallendem Gewand, die Arme gekreuzt. In der linken Hand hält er ein halb entrolltes Dokument oder eine Karte. Er richtet seinen Blick zuversichtlich in die Ferne.

Columbus Center

  Sonderstempel zur Eröffnung
  des Columbus-Center

1897 wurde die Bronzefigur, gegossen von der Königlichen Gießerei in München, im Park des heutigen Bremerhavener Ortsteils Speckenbüttel auf einem großen Podest aus Granit und Marmor aufgestellt. Daran waren zwei Bronzeplatten befestigt, eine mit der Inschrift "Columbus". Die andere zeigte ein stilisiertes Schiff, sicherlich das Flaggschiff "Santa Maria".

Nur 20 Jahre später wurde die Statue vom Sockel geholt, scheinbar für immer. 1918 wurde die Figur, wie so viele im Land, eingeschmolzen. Am Ende des ersten Weltkriegs brauchte die deutsche Rüstungsindustrie dringend Bronze für Granaten und andere Munition. Schon nach wenigen Jahren schien das Denkmal vergessen. Nur ein paar Fotos blieben zurück.

Das Denkmal an seinem ursprünglichen Platz im Park von Speckenbüttel, abgebildet auf einer Ansichtskarte.


Columbus blickt in die Ferne

Aber 1960 entdeckte der Leiter des Bremerhavener Museums, Gert Schlechtriem, das Original-Gipsmodel von Habich in einem Keller des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt, Heimatstadt und Alterswohnsitz von Habich. Nun gab es eine Chance, Columbus nach Bremerhaven zurück zu bringen. Aber es dauerte noch einmal mehr als zehn Jahre, bis ein finanzkräftiger Sponsor gefunden war und die Statue neu gegossen werden konnte.

Die neue Statue wurde 1978 vor dem Columbus-Center, einem Büro- und Geschäftskomplex am alten Hafen, aufgestellt. Der Name des Gebäudes und vieler anderer Örtlichkeiten in Bremerhaven wie Columbuskaje, Columbusbahnhof, die Columbusstraße, ein Restaurant und eine Apotheke, leiten sich nicht direkt von dem Amerika-Entdecker ab. Sie sind nach dem Schnelldampfer "Columbus" des Norddeutschen Lloyd benannt, der seit 1924 von Bremerhaven aus im Nordamerika-Dienst für Aufsehen sorgte. Der Anleger und der Bahnhof wurden extra für dieses Schiff gebaut. Die "Columbus" wurde am 17. Dezember 1939 auf Befehl ihres Kapitäns von der Besatzung versenkt, damit das Schiff nicht in britische Hände fällt. Seit 1997 ist Bremerhaven Heimathafen einer neuen "Columbus", eines deutschen Kreuzfahrtschiff, das allerdings unter der Flagge der Bahamas fährt.

 
Straßen und Plätze

Die Columbusstraße in Bremerhaven, im Hintergrund das Alfred-Wegener-Institut


Bremerhaven ist eine von 20 deutschen Städten, in denen Straßen oder Plätze nach Columbus benannt sind (| Übersicht |). Aber nur in einem Fall belegen die Quellen, dass die Benennung ausdrücklich als Würdigung des Entdeckers und zur Erinnerung an den 400. Jahrestag erfolgte. In Dresden, der Residenz des sächsischen Königs, wurde eine neugebaute Straße am 12. November 1892 Columbusstraße genannt.

Es ist allerdings wahrscheinlich, dass auch die anderen frühen Benennungen in Müchen (1893), Solingen (1897), Bremen (1898), Mülheim (vor 1902) und Düsseldorf (1909) zumindest ein Echo auf die 400-Jahr-Feier waren. Diesem Jahrestag wurde in Deutschland viel Aufmerksamkeit gewidmet. Es gab in vielen Städten Feiern und Veranstaltungen, die hauptsächlich von geografischen, technischen oder wirtschaftlichen Vereinigungen und Organisationen veranstaltet wurden. Die Feiern waren eine willkommene Gelegenheit für das deutsche Bildungsbürgertum, die deutsche Rolle in der Kolonisierung der Welt neu zu definieren.

Nach dem Trauma des ersten Weltkriegs und wegen des aufkommenden Nationalismus in den 20er und 30er Jahren gab es in Deutschland keine Veranlassung mehr, einen ausländischen Eroberer zu ehren. Neue Namensgebungen wurden erst nach dem zweiten Weltkrieg möglich, oft unter dem direkten Einfluss der amerikanischen Besatzung. In Aalen, Augsburg, Mannheim und Bonn wurden Straßen in Wohngebieten der amerikanischen Truppen nach Columbus benannt. Außerdem gab es und gibt es noch immer die Notwendigkeit, in Neubausiedlungen und Industriegebieten Straßen zu benennen. Solche Namensgebungen haben aber keineswegs die Ehrung Columbus' zum Ziel. Die Kommunalverwaltungen wählen im allgemeinen Themen wie Blumen, Vögel, Musiker oder eben Entdecker aus, um in einem Gebiet Straßen einheitlich zu benennen.

Es gab auch politische Gründe für Umbenennungen: In Duisburg wurde die Tirpitzstraße, die nach Admiral Alfred von Tirpitz benannt worden war, 1946 auf Befehl der Militärregierung zur Kolumbussstraße. 1991, zwei Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, änderte der Senat von Rostock in Ostdeutschland den Nikolai-Kusnezow-Ring, der nach einem Admiral der Sowjetarmee benannt war, in Kolumbusring. Dies ist die einzige Namensgebung, die sich ausdrücklich auf die 500-Jahr-Feier bezieht. Zu DDR-Zeiten war die Columbusstraße in der Gemeinde Hamersleben (Sachsen-Anhalt) in Straße der Einheit umbenannt worden. Jetzt hat sie ihren alten Namen zurück, den sie einer Braunkohlegrube gleichen Namens an dieser Straße verdankt.
 
Statue in Hamburg

Die Columbus-Statue an der Hamburger Kornhausbrücke

Zum Schluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Denkmal in Bremerhaven nicht das einzige in Deutschland zur Erinnerung an Columbus ist. In Hamburg, Deutschlands bedeutendstem Seehafen, gibt es ebenfalls eine Statue des Genuesers.

Sie wurde 1903 zusammen mit Statuen der Entdecker Vasco da Gama, Fernando Magellan und James Cook an der Kornhausbrücke aufgestellt, dem Eingang zur neuen Hamburger Speicherstadt im Freihafen. Schöpfer der Columbus-Statue war der bekannte Hamburger Bildhauer Carl Börner, der entscheidende Anteile an der Ausgestaltung des prunkvollen Hamburger Rathaus hatte. Bei einem Bombenangriff 1944 wurde die Brücke schwer beschädigt, die Statuen von Magellan und Cook zerstört. Columbus und da Gama überstanden die Bombardierung. 44 Jahre später wurden die beiden Figuren aus rotem Sandstein aufwendig restauriert. Seit 1989 stehen sie wieder an ihrem angestammten Platz.


Dieser Beitrag wurde ursprünglich geschrieben für Discovery!, die Zeitschrift der Christopher Columbus Philatelic Society ( CCPS ), und mittlerweile erweitert.
 

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