Christopher Columbus disovery of America

 

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April 1500: Die Besitznahme Brasiliens

Im Jahr 2000 feiert Brasilien den "5░ centenário do descobrimento": Vor 500 Jahren, am 22. April 1500, sichtete eine Flotte von 13 Schiffen unter dem Kommando von Pedro Alvares Cabral Land nahe der heutigen brasilianischen Stadt Porto Seguro.

Cabral kam nicht als Entdecker in die Neue Welt wie Columbus, der zwei Jahre zuvor weiter im Norden Kontinental-Amerika erreicht hatte. Er war vom portugiesischen König Manuel I. ausgesandt worden, um Afrika zu umrunden und nach Indien zu segeln. Um die ungünstigen Winde und Strömungen an der afrikanischen Küste zu vermeiden, segelte die Flotte einen weiten Boden in den Ozean hinaus und berührte dabei die Küste Südamerikas. Man weiß nicht, warum die Schiffe so weit nach Westen segelten. Es ist möglich, dass der 40 Jahre alte Cabral, ein portugiesischer Edelmann mit wenig seemännischer Erfahrung, einen falschen Kurs setzte. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass er den geheimen Auftrag hatte, über die Demarkationslinie zu segeln, die die Interessenssphäre der Portugiesen von der spanischen trennte.

Sechs Jahre zuvor, im Juni 1494, stimmten Spanien und Portugal einem Dekret von Papst Alexander VI. zu, der eine Grenze zwischen den Interessensgebieten der beiden Länder festlegte. Der Vertrag wurde in der spanischen Stadt Tordesillas unterzeichnet. Er war eine unmittelbare politische Reaktion auf Columbus‘ erste Reise, von der er 1493 nach Europa zurückkehrte. Spanien brauchte die Anerkennung seiner neuen Besitztümer im Westen, vor allem gegenüber portugiesischen Ansprüchen. Portugal wollte andererseits seine ausschließlichen Rechte auf die Erforschung einer Route um Afrika herum nach Indien geschützt wissen.

Der Vertrag von Tordesillas zog eine Trennlinie in Nord-Süd-Richtgung, die etwa 1770 Kilometer westlich der Kapversichen Inseln verlief. Zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung - Columbus war auf seiner zweiten Reise und hatte gerade Jamaika entdeckt - vermutete niemand in Europa, dass ein Teil der soeben entdeckten neuen Welt in die portugiesische Zone hinein reichen würde. Aber als Cabral 1500 ankam, erkannte er sofort die Bedeutung seiner Entdeckung. Er nahm das Land in Besitz und schickte ein Schiff zurück nach Portugal, das den König informierte. Der Rest der Flotte segelte am 2. Mai weiter nach Indien.

Aber Cabral war gar nicht der erste Europäer, der nach Brasilien kam. Schon im Juli 1499 hat Amerigo Vespucci vermutlich die Küste berührt und den Amazonas gesehen. Und noch ein anderer war vor Cabral da: Vicente Yáñez Pinzón, Kapitän der "Ni˝a" auf Columbus‘ ersten Reise. Pinzón erreichte Brasilien im Dezember 1499 nahe Kap São Roque am östlichsten Punkt des Kontinents. Die Spanier gingen an Land und nahmen es in Besitz, offensichtlich nicht wissend, dass sie sich noch in der portugiesischen Hälfte der Welt befanden.

Portugal, ein kleines Land, kümmerte sich viele Jahre nicht um seine neue Besitzung in Amerika, sondern konzentrierte sich auf Indien. Zwei oder drei Expeditionen, eine geleitet von Vespucci, wurden ausgeschickt, um das Land zu erkunden, dass hauptsächlich als Zwischenstation auf dem Weg um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien diente. Erst 1526 gründeten die Portugiesen die erste Siedlung und begannen mit der Kolonialisierung. Das Land erhielt seinen Namen nach dem "pau brasil", einem Buntholz, das Amerigo Vespucci und Gonšalo Coelho dort gefunden und 1501 nach Portugal gebracht hatten. Cabral, der seine Entdeckung für eine Insel hielt, nannte sie Ilha da Vera Cruz.

Cabrals Landung in Südamerika war als Entdeckung nicht bedeutend. Sie hatte vor allem politische Bedeutung, denn sie festigte die Demarkationslinie zwischen Portugal und Spanien und etablierte für Jahrhunderte den portugiesischen Einfluss in Amerika. Es gibt allerdings einen Aspekt, der oft vernachlässigt wird. Spanien hatte ohne Columbus keine Ambitionen, den Ozean nach Westen zu überqueren. Wenn Columbus nicht nach Amerika gesegelt wäre, und es gab zahlreiche beinahe unüberwindliche Hindernisse, wäre möglicherweise Cabral oder ein anderer Portugiese der Entdecker der Neuen Welt geworden. Portugals Schiffe waren die einzigen seit 1492, die unabhängig und mit völlig anderen Zielen auf dem Atlantik fuhren. Es war beinahe unvermeidlich, dass eines Tages eines weit genug nach Westen kommen würde. Alle andere Entdecker wie Vespucci und Pinzón folgten dagegen nur den Spuren von Columbus.

Die Welt wäre heute völlig anders. Man versuche sich nur die Folgen für die nach-kolumbianische Geschichte Amerikas vorzustellen, wenn Eroberung und Besiedlung später und in Brasilien und nicht in Mittelamerika begonnen hätten. Man denke an die Auswirkung, die die Eroberung auf Spaniens Stellung und Einfluss in Europa, vor allem Dank der aus Mexico und Peru herausgepressten Reichtümer, gehabt hat. Ein kleiner Augenblick des Nachdenkes zeigt schon die außerordentliche Bedeutung, die Columbus und seine erste Reise gehabt haben. Es war einer der wenigen Momente, an denen die Geschichte wirklich am Scheideweg stand.

Philatelistische Notizen

Die Landung von Cabral läßt sich leicht durch brasilianische Briefmarken dokumentierten. Brasilien war 1900 das einzige Land, dass mit einer Briefmarke an den 400. Jahrestag erinnerte (Michel # 138). Das nächstjährige Jubiläum hat Brasilien seit 1996 mit einer Reihe von Ausgaben begleitet (bis jetzt Michel # 2693, 2747, 2816/2817, Bl. # 108).

Pedro Alvarez Cabral selbst wurde ebenfalls auf brasilianischen Briefmarken geehrt. 1968 gab es zwei Ausgaben zur Erinnerung an seinen 500. Geburtstag. Eine Marke (Michel # 1171) zeigt ein wohl realistisches Porträt des Seemanns. Die andere Marke (Michel # 1175) zeigt ein Gemälde von der ersten Heiligen Messe in Brasilien, die am 26. April 1500 von Pater Henrique Soares de Coimbra, dem Anführer der acht Franziskaner-Mönche an Bord der Flotte, gefeiert wurde. Ein weiteres, stark idealisiertes Porträt Cabrals ist auf einer Marke von 1984 zu sehen, die anläßlich der Briefmarkenschau "Brasil '84" ausgegeben wurde; die andere Marke des Satzes (Michel # 2033-2034) zeigt Columbus.

An den Vertrag von Tordsillas erinnerte Brasilien 1994 mit einem Block. Die Marke (Michel Bl. # 95) zeigt ein Schiff und eine alte Landkarte Brasiliens mit der Demarkationslinie darauf.

Portugal hat zwei Ausgaben zur Erinnerung an Cabral veröffentlicht: Eine Marke erschien 1945 in einem Satz über Entdecker und Eroberer (Michel # 677). Ein Satz von drei Markten (Michel #1067-1069) kam 1968 aus Anlaß des 500. Geburtstags von Cabral heraus. Der Vertrag von Tordesillas wurde 1994 mit einer Marke gewürdigt (Michel # 2014). Sie zeigt König Johann II. von Portugal und König Ferdinand von Aragon, die das Dokument unterzeichneten.

 

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